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Die Orgel der Johanneskirche Meißen

Charakteristik der Jehmlich-Orgel
Disposition der Orgel

Die Geschichte der Johannesgemeinde Meißen
Charakteristik der Jehmlich-Orgel

Das Instrument wurde von Gebr. Jehmlich /Dresden im Jahr 1898 mit 31 Registern auf zwei Manualen und Pedal für die neue Kirche erbaut. Es stammt aus der Frühzeit der pneumatischen Trakturen, als diese Technik in der Entwicklung war, aber rasch allgemeine Verbreitung fand. Die in der Johanneskirchenorgel anzutreffende Bauweise hat Jehmlich nur bei wenigen Instrumenten angewandt. Es handelt sich um mechanische Kegelladen mit Kegelwellen, die von pneumatischen Relais angespielt werden. „Die Orgel ist ein orgelbautechnische Rarität und bedeutendes orgeltechnisches Denkmal“ (denkmalpflegerische Stellungnahme der Sächsischen Landeskonservatorin vom 1.9.14.)

Die ursprünglich hochromantische Disposition wurde zwischen 1952 und 1956 mit ungewöhnlicher Rigorosität in Richtung Barock-Orgel verändert. Dieser konsequenten und schlüssigen Überformung kommt ebenfalls ein gewisser Denkmalswert zu. Wir haben uns auf Empfehlung der Denkmalbehörde dafür entschieden, das Originalmaterial beizubehalten und harmonisch zu einem vielseitigen neuen Klangbild zusammenzufügen. Auf diese Weise bleibt die Geschichte der Orgel klanglich weiter hörbar, ergänzt durch 4 neue Register. Wir hoffen, dass auch Sie die einzigartige Kombination aus romantischer Grundausstattung und größtenteils barockem Klangbild spannend finden.

Die Orgel wurde 2016 durch die Firma Orgelbau Ekkehart Groß aus Waditz bei Bautzen saniert.
Disposition der Orgel
32 Register / 1890 Pfeifen

I Hauptwerk C-f3 II Schwellwerk C-f3 Pedalwerk C-d1
Pommer 16'
1898, verändert 1956. C- h° Holz, ab c1 SnPb
Quintaden 16'
1898, verändert 1956. C- h° Holz, ab c1 SnPb
Subbass 16'
1898, Nadelholz
Prinzipal 8'
1898, verändert 1956. C- h° Zn, im Prospekt. Ab c 1 SnPb auf der Lade um 1/2 gerückt.
Weitprinzipal 8'
1898, verändert 1956. C- H Holz, ab c° SnPb
Violonbass 16'
1898, Nadelholz
Gemshorn 8'
1898, verändert 1956. SnPb konisch
Singend Gedackt 8'
1898, verändert 1956. C- H Holz, ab c° SnPb
Gedacktbass 16‘
reaktivierte Holzpfeifen (1898) im Schwellwerk. Zarter Orgelbass, schwellbar
Rohrflöte 8'
1898, verändert 1956, C- H Nadelholz
Quintatön 8'
1898, verändert 1956. Ab C SnPb
Principalbass 8'
Zink, vollständig im Prospekt, kräftig
Gamba 8‘
Neu 2016 hell barock streichend
Principal 4'
1898, verändert 1956. SnPb
Dolkan 4‘
Neu 2016, Zinn
Oktave 4'
1898, verändert 1956
Rohrflöte 4'
1898, verändert 1956. Ab cs² konisch
Posaunenbass 16'
1898, Stiefel und Becher aus Nadelholz
Spitzflöte 4'
1898, verändert 1956
Fugara 4‘
Neu 2016, hell streichend
 
Quinte 2 2/3'
Neu 2016, klanglich dem Prinzipalchor angepasst
Nassat 2 2/3'
1956, SnPb. Rohrflöte bis f1, dann konisch
 
Superoktave 2'
1898, verändert 1956
Oktävlein 2'
1898, verändert 1956. SnPb
 
Terz 1 3/5'
1956, SnPb
Blockflöte 2'
1956, SnPb. Konisch
 
Quinte 1 1/3'
1956, SnPb
Sifflöte 1'
1956, SnPb
 
Mixtur 4fach
1956, SnPb, C 1 1/3'-1'-2/3'-1/2'-1/3', weitere Repetitionen auf G, d1 und g²
Scharff 4fach
1956, SnPb. C 1'-2/3'-1/2'-1/3', weitere Repetitionen auf c°, c 1, c² und c³
 
Trompete 8'
1898. Stiefel und Becher aus SnPb
Krummhorn 8'
1956, SnPb, Aufsätze Zn
 

Koppeln und Spielhilfen:
• Manualkoppel, Pedalkoppel I, Pedalkoppel II

Folgende Koppeln und Spielhilfen wurden größtenteils aus 1953 außer Betrieb gesetzten Originalteilen jetzt wieder hergestellt:

• 2 Oktavkoppeln
• Generalkoppel, Koppeln Ausschaltung
• Volles Rohrwerk, Rohrwerke Ausschaltung
• Tutti, Forte, Mezzoforte, Piano, Auslöser
• Handregister (Druckregister), Freie Vorbereitung (Zugregister)
• Rollschweller (als Walze) mit Wiedereinbau der vorhandenen Nockenwelle und Mechanik
• Schweller (als Balanciertritt) mit Wiedereinbau der alten Schwelljalousien und –mechanik.


Geschichte der Johannesgemeinde Meißen
Nach der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln. Autor: Pfarrer Gottfried Walther (gekürzt).

Um 1150 wurde eine kleine romanische Kirche in Cölln gebaut. Wegen des schon damals vorhandenen Weinbaus wurde sie St. Urbanskirche genannt, zu Ehren des in allen Weinbaugebieten verehrten Bischofs Urban. Von dieser Kirche sind noch eine Wand und die Fundamente unter der Kirche erhalten, der Verlauf ist im Fußboden gekennzeichnet. Weiter sind ein gotisches Kruzifix (um 1500) und der Altar erhalten. Die alte Taufschale und ein frühes Lutherbild aus Böhmen befinden sich heute in der Johanneskirche.

Der gotische Flügelaltar (Ende 15. Jh.) ist sehr ausdrucksstark. Dargestellt sind Petrus und Paulus, die Märtyrerinnen Barbara und Katharina, Bischof Urban mit der Weintraube, die Dreieinigkeit und das Schweißtuch der Veronika.

Die Kanzel von 1653 (von Hans Walter Otto) hat bemalte Holztafeln mit biblischen Gestalten, 4 wurden bei einem Einbruch 1981 gestohlen.

In der Kirche befindet sich auch ein romanisches Ritterdenkmal in Form einer Stele mit Malteserkreuz (etwa 1200).

Die Sakristei ist ein gotischer Anbau an die ursprünglich romanische Kirche, das Zellengewölbe erinnert an die Architektur der Albrechtsburg.

An der Decke befindet sich ein Gemälde von Gerhard Schiffner "Christus ist auferstanden" (1950).


Die erste erhaltene urkundliche Erwähnung von Cölln erfolgte im Jahre 1233. Zur Reformationszeit war Franz Arnoldi Pfarrer in Cölln. Er beteiligte sich an dem Streit zwischen Martin Luther und dem Herzog Georg von Sachsen, der ein entschiedener Gegner Luthers war. Er gab 1531 u.a. folgende Schriften heraus: »Widder des Luthers warnung an die Deutschen« und »Auff das Schmaebüchlein, welchs Martin Luther widder den Meuchler zu Dreszden hat lassen auszgehen«. Luther nannte ihn dafür den „Esel zu Cölln“. Die Reformation wurde 1539 durch Heinrich den Frommen im Herzogtum Sachsen eingeführt. Damit wurde auch unsere Gemeinde evangelisch.
In die erste Cöllner Kirche passten höchstens 300 Personen. 1671 begründete Pfarrer Knauth in einer Eingabe an die Behörde den notwendigen Umbau der Kirche damit, dass sich 480 Personen zu Beichte und Abendmahl hielten. Alle wünschten einen eigenen Platz in der Kirche zu haben, und darüber hinaus wurde für 70 Kinder Platz in der Kirche gebraucht. Aus dem zunächst geplanten Umbau wurde dann 1691-1701 ein fast völliger Neubau im Stil des Barock.
Im Jahre 1879 wurde Kindergottesdienst eingeführt, der Kirchenchor 1887 gegründet.


Zweihundert Jahre später war die Cöllner Kirche wieder zu klein geworden. 1895 gehörten 5599 Mitglieder zur Kirchgemeinde. So beauftragte der Kirchenvorstand den bekannten Kirchenbaumeister Theodor Quentin aus Pirna, den Bau zu planen und zu leiten. Den Plan für die künstlerische Ausgestaltung des Kircheninneren hatte der Cöllner Pfarrer Hugo Hickmann entworfen. Als Namenspatron wurde der Evangelist Johannes ausgewählt, der das Jesuswort überliefert hat „Ich bin der Weinstock, Ihre seid die Reben, ohne mich könnt ihr nichts tun“. Die gesamte Kirche illustriert und verdeutlicht die Aussagen des Johannesevangeliums.

Der erste Spatenstich für die Johanneskirche erfolgte am 17. Juni 1895, am 24. Oktober 1898 wurde sie geweiht. Die Baukosten betrugen 350.000 Reichsmark. Die Johanneskirche ist ein Beispiel der sich allmählich auflösenden Bautradition der Neugotik. Besonders die innere Ausgestaltung der Kirche vermittelt bereits einen Vorgeschmack des Jugendstils, der damals entstand und für viele Jahre bestimmend werden sollte. Dazu gehört die Bevorzugung einheimischer Materialien und das Einbeziehen industrieller Fertigung in die Kunst. So wurde die Johanneskirche aus Meißner Granit, Elbsandstein und Rochlitzer Porphyr erbaut. Altar und Kanzel sind aus einheimischer Keramik. Der Altar wurde von der Sächsischen Ofenfabrik Meißen AG, die Kanzel von der Ofen- und Porzellanfabrik Ernst Teichert (beide Firmen im Cöllner Gemeindegebiet ansässig) aus Ton in Majolikatechnik hergestellt und gespendet. Das Altarbild stellt Jesus bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls mit seinem Lieblingsjünger Johannes dar. Das Bild wurde nach einem Entwurf von Prof. Erhard Winterstein von dem Porzellanmaler Ernst Hentschel gemalt. Darüber befindet sich eine weiße Kreuzigungsgruppe aus Keramik von Konrad Hentschel. Die Reliefs der Kanzel stellen die Evangelisten und Johannes, den Täufer, sowie Mose und Aaron und die erhöhte Schlange nach dem Vorbild der Kanzel der St. Urbanskirche und in der Mitte die Heilung des Blindgeborenen dar. Dazu ist das Jesuswort aus dem Johannesevangelium „Ich bin das Licht der Welt“ zu lesen.

Die Fenster des Altarraumes enthalten Glasmalereien mit biblischen Motiven. Links, auf der Brotseite des Altartisches wird die Geburt Jesu Christi, des Lebensbrotes und darunter die Speisung Israels in der Wüste dargestellt. Rechts, auf der Kelchseite, ist die Grablegung Jesu und darunter das Dankopfer des Noah mit dem ersten Weinstock zu sehen. Die oberen Rosetten der drei Mittelfenster stellen links Jesus als Sämann, in der Mitte den erhöhten Herrn mit dem Wort: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, rechts Jesus als den Weingärtner dar. Die großen Emporenfenster enthalten den Wortlaut der Seligpreisungen aus der Bergpredigt und sind an den Rändern mit einem zu den einzelnen Seligpreisungen passenden Pflanzenornament geschmückt.

Das Freskogemälde von Sascha Schneider am Triumphbogen mit dem Titel: „Der Triumph des Kreuzes im Weltgericht“ stellt Jesus Christus am Kreuz als erhöhten Weltenherrscher dar, entsprechend der Darstellung des Evangelisten Johannes. Über dem Gemälde steht das Bibelwort Johannes 3,16: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Links vom Betrachter werden die vom Tod Auferstandenen von Engeln empfangen. Rechts werden diejenigen, die Jesus Christus ablehnen, von den aus der Offenbarung des Johannes bekannten Vorläufern des Endgerichts (Tod, Krieg, Krankheit und Hunger) in den Abgrund gestürzt. Die Basis des Triumphbogens bilden zwei Reliefs von Sascha Schneider mit Engeln, die Jesus Christus als das Opferlamm anbeten.

Seit 1988 befindet sich ein zweites Kunstwerk von Sascha Schneider in der Johanneskirche - ein Gemälde, das 1925 für die Kirche in Dresden-Loschwitz geschaffen wurde. Es zeigt den Propheten Jeremia, der durch einen Gerichtsengel dazu gedrängt wird, die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier anzusagen. Sascha Schneider hatte den 1. Weltkrieg erlebt und war konsequenter Kriegsgegner. Er wollte die Deutschen vor vergleichbarer Zerstörung warnen, wie sie 587 v.Chr. in Jerusalem geschah.

Ein Jahr nach der Einweihung der Johanneskirche wurde 1899 das Johannesstift als Zentrum der Gemeindediakonie gebaut. Hier befand sich der Kindergarten unserer Gemeinde (1942 durch die Nazis geschlossen), eine Kochschule, eine Badeanstalt für Frauen, die Wohnung der Gemeindeschwester und der Saal, der allmählich vom Vereinssaal verschiedener Frauen- und Mädchenvereine zum Gemeindesaal wurde.
In den Weltkriegen mussten unsere Glocken abgegeben werden. 1955 wurde das jetzige Geläut aus Stahl geweiht.
Teils wertvolle Porträts vieler Pfarrer unserer Gemeinde hängen in der Sakristei und Taufkapelle der Johanneskirche.

Prägend für unsere Kirchgemeinde ist das intensive ehrenamtliche Engagement vieler Gemeindeglieder u.a. im Gottesdienst. Durch Spenden und Arbeitsleistungen konnte die Johanneskirche bis heute in einem guten Zustand erhalten werden. Dies gilt auch für die St. Urbanskirche, die der Pfarrer Sieger von Kirchbach mit Herrn Tischlermeister Michael Mauersberger und einigen Helfern zwischen 1984 und 1990 vor dem Verfall gerettet hat.

Beide Kirchen sind von April bis Oktober werktags zur Besichtigung geöffnet. In der Johanneskirche findet jeden Sonntag um 10:00 Uhr ein Gottesdienst statt. Die Kirche wird auch gern für die unterschiedlichsten Konzerte verschiedenster Musiker genutzt. Sie ist Mittelpunkt des jährlich Anfang Mai stattfindenden Cöllner Kunstfestes. Kunstfestgottesdienst und Gospelkonzert sind die Höhepunkte dieses Kunsthandwerkermarktes. In der St. Urbanskirche ist dazu für mehrere Monate eine Kunstausstellung zu sehen.
Zum Meißner Literaturfest Anfang Juni, dem größten eintrittsfreien Lesefest Deutschlands, finden in der Urbanskirche abendlich verschiedene teils musikalische Lesungen statt, in der Johanneskirche der Literaturfestgottesdienst.
Zum Erntedankfest ist unsere Kirche jährlich durch zahlreiche Blumenkränze herrlich geschmückt.
Beide Kirchen sind auch am Tag des offenen Denkmals Anfang September jährlich geöffnet. Kirchenführungen finden zum Kunstfest und zum Tag des offenen Denkmals statt, sie sind auch auf Anfrage möglich.
Die Friedhöfe der Johannesgemeinde, der alte Johannesfriedhof an der Urbanskirche und der neue Johannesfriedhof auf dem Kalkberg haben beide durch viele große Einzelbäume ein parkähnliches Aussehen, es gibt viele wertvolle und schöne historische Grabmale.
Seit 2005 besteht ein Schwesterkirchverhältnis mit der Trinitatisgemeinde in Meißen-Zscheila und der St. Andreas-Gemeinde Zadel.


Ansprechpartner:
Pfarrerin Renate Henke
E-Mail: renate-henke(at)gmx.de

Büro der Kirchgemeinde und der Johannesfriedhöfe
Frau Karina Pietschmann, Dresdner Straße 26 in Meißen, Telefon: 03521 737720
E-Mail: kg.meissen-coelln(at)evlks.de.


mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Christof Voigt)
OI-M-60
weiterführende Links:

Webseite der Johannesgemeinde Meißen



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