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Die Eule-Orgel im Dom St. Jakobus zu Görlitz

Interpret: Thomas Seyda
EAN: 4028222850056
Label: Harp

Endlich gibt es von dieser wundervollen Orgel eine aussagekräftige CD!

Im protestantisch gewordenen Görlitz war 1853 mit Hl. Kreuz die erste nachreormatorische katholische Kirche gebaut worden. So beginnt das sehr umfangreiche, hochinteressante und farbenprächtig illustrierte Booklet dieser CD.
Da die Zahl der Katholiken nach und nach stieg, wurde der Bau einer zweiten Kirche nötig. Am 6.10.1900 wurde die 5 ½ Joche zählende neugotische Backsteinkirche mit ihrem 67 m hohen Turm, der 5 klangprächtige Glocken in sich trägt, geweiht.
St. Jakobus war eigentlich als Filialkirche der Pfarre Hl. Kreuz errichtet worden, doch schon ihre Größe machte deutlich, daß sie eine eigene Pfarrkirche werden sollte. Daß diese Kirche aber im Jahre 1972 eine Kathedra für einen Bischof und Chorgestühl für ein Domkapitel und damit Pro-Kathedrale werden sollte, hätte sich wohl niemand träumen lassen.

In diese Kathedrale baute nun die Firma Eule, renommierte Orgelmanufaktur aus Bautzen, eine Orgel, welche in erster Linie als Liturgisches Instrument konzipiert war. Da sie zunächst zu weit nach hinten auf der Empore errichtet wurde, erfuhr sie mehrmals Umgestaltungen, letztlich den Einbau eines Rückpositivs.
47 Register hat das Instrument nun und zeigt sich von eher mittlerer Größe, dennoch ist sie klanglich sehr vielseitig und beherbergt differenzierte Klangfarben, angefangen bei kräftigen Prinzipalen, über warm klingende Flöten, zarte Streicher bis zu kraftvollen Zungenstimmen. Dem ganzen verleihen die Mixturen ihren typischen Eule-Glanz.
Ein prachtvolles Organo pleno krönt den Klang, wobei dieses Instrument keine Stilkopie darstellt, sondern einfach ein Kind seiner Zeit ist.

Auf dieser prachtvollen Orgel spielt nun Domorganist Thomas Seyda ein ebensolches Programm und es ist eine Lust, da zuzuhören.
Eine schier unglaubliche Palette an Klangfarben weht dem Hörer um die Ohren. Eine mächtige Ouverture vom englischen Komponisten Alfred Hollins wird abgelöst von der Sonatine a-moll von Karg-Elert.
Dass Johann Sebastian Bach nicht nur auf diese Orgel, sondern auch in die Landschaft und in die Stadt passt, beweist Seyda mit dessen Präludium und Fuge G-Dur und, berückend gespielt „Wenn wir in höchsten Nöten sein“.
Den unabdingbaren Höhepunkt setzt Seyda m.E. aber mit Rheinbergers 11. Sonate d-moll, ein Werk, welches dem Rezensenten sehr am Herzen liegt, hat er es doch selbst schon Jahren intensivst untersucht, studiert und eingespielt.
Seydas Spiel zu lauschen, macht unbändige Freude. Er hat stringende Tempi, kraftvolle Pleni und zärtlichere konzertante Registrierungen bei den Seitensätzen. Die wunderbare Cantilene läßt er gradezu elegisch wunderbar mit der Soloflöte erklingen: einfach hinreißend. Und daß krause und quirlige Intermezzo bildet dazu mit schön singenden Prinzipalen den entsprechenden Gegeneffekt.
Drängend beginnt er die Fuge, läßt sie mit gekonnter Artikulation ausschweifen; das Mixturplenum ermüdet nie, es unterstreicht sogar die verschiedensten Höhepunkte und da soll mir soll niemand sagen, Rheinberger-Fugen seien langweilig. Majestätisch, ja heroisch beendet der Interpret diesen Klangzauber.

Wenn es einem gegeben ist, so wie Thomas Seyda zu interpretieren, hat man die Zuhörer auf seiner Seite.
Wer diese CD nicht in seinem Schrank hat, ist selber schuld. Gratulation an Seyda, die Orgelbauer und der Domgemeinde.

Reinhard Kluth - für www.orgel-information.de
Mai 2017 / Oktober 2017


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