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glaze

Interpreten: Ensemble Delirio & Deborah York (Soprano) & Florian Boesch (Bass-Baritone)
Label: CDelirio


Werke von Scheidt, Buxtehude, Scheidemann, Schop und Petersen

Der erste Ton klingt der einer Glasharmonika täuschend echt, und so überraschend wie sympathisch einnehmend geht es bis zum letzten Ton weiter, wirklich bis zum letzten! Dazwischen klingen diese meist bekannten Programmnummern faszinierend unbekannt wie unbekannt faszinierend. So verfremdet und auch gesucht das alles wirkt, entpuppt sich das Repertoire doch als ganz natürlich klingend, das klangliche Resultat könnte doch gar nicht anders sein als hier, eigentlich!

Die vier jungen Wiener Ausnahmemusiker David Drabek, Violine, Pablo de Pedro, Viola, Philipp Comploi, Violone, und Jeremy Joseph, Orgel, zusammen mit Deborah York, Sopran, und Florian Boesch, Bass, sehen im Spiegel der glasierten (= Glaze) Backsteine und Dachziegeln der norddeutschen Backsteingotik den „Splendour of the north“. Pracht ist hier nicht die Quantität an Klangmassen, sondern die dedizierte Kunst der Klangentfaltung einzelner Back- und Bausteine, einzelner Töne kleinerer Kompositionen aus kristallklarer Kultur höchster Kompositionskunst. Dazu dienen das barocke Instrumentarium der Streicher und die Stellwagen-Orgel (1637) in Jakobi Lübeck, denn Markenzeichen der Truppe ist eine Orgel als Continuo- und Soloinstrument. Das ermöglicht Jeremy Joseph vielfältige Klänge aus Labial- und Lingualregistern bei der harmonischen Unterstützung, die Aufnahmetechnik (Stephan Reh) besorgt die optimale Abmischung. So kann es eben auch klingen, nein, so muss es klingen: die instrumentalisierte Fantasia á 3 aus Scheidts „Tabulatura nova II“, Buxtehudes Kontrapunkttausch- und Rauschgipfel „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ BuxWV 76 oder seine Sonata D-Dur BuxWV 267.
Dass Virtuosität keine Anstrengung, sondern Spielwitz ist, ist hier mit selbstverständlicher Leichtigkeit zu hören: der nahezu unbekannte Amsterdamer Violinvirtuose David Petersen nannte seine Stücke 1683 sehr zurückhaltend „Speelstukken“, doch die grenzen an Zauberei! Für den Hörer etwas weniger anstrengend geht es in Johann Schops Tänzen, Buxtehudes Kantate „Ich halte es dafür“ BuxWV 48 und Scheidemanns Choralpartita „In dich hab ich gehoffet, Herr“ her, bei der allerdings Booklettexter Markus Grassl irrt, wenn er die damals übliche und auch bereits vorreformatorische Alternatimpraxis und damit die Gottesdiensttauglichkeit der Choralphantasien anzweifelt - was die Qualität seines Textes aber kaum mindert. Das Booklet ist ansonsten gut und bunt bebildert und ausführlich informativ.

Zum Schluss spielt Jeremy Joseph Bruhns‘ Opus optimum, ein Werk, das andere mit dem Orpheusdrama unterlegt haben. Was bei Orpheus nach vielen Wendungen ungut ausgeht, bei Jeremy Joseph gibt es noch mehr Wendungen und geht, wie sollte es anders sein, im Umdrehen überraschend, aber gut aus.

Eine CD, die alles andere ist als eine nur hörenswerte CD! Höchst empfehlenswert!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Januar 2017 / März 2017


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