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Pour une Cathedrale
Messe, Hymnes & Motets de Titelouze et Frémart

Interpreten: Les Meslanges, Leitung: Thomas von Essen, Orgel: Francois Menissier
Label: Psalmus


Bisher haben Musiker und ihre CD-Firmen die Musik Frankreichs des 16. und des frühen 17. Jahrhunderts nicht sehr beachtet, gerade ein halbes Dutzend Einspielungen gibt es von Orgelhymnen und Magnificat-Versetten des Organisten von Rouen Jean Titelouze (ca. 1563 – 1633), davon nur eine Gesamteinspielung (Markus Goecke, Raumklang MA 20033, P 2012). Und gerade einmal eine Einspielung gibt es von einer der acht vier- bis sechsstimmigen Messen seines Freundes, des seinerzeitigen „Chorpräfekten“ in Rouen Henri Frémart (1595 - 1651). Noch dunkler wird es bei der Suche nach Notenausgaben: zu Titelouze gibt es Faksimile-Reproduktionen der Hymnes de l'Eglise (Rouen, 1623) und der Le Magnificat  (Rouen 1626), dazu die Uraltübertragung Guilmants (1897), zu Frémarts Missa Verba mea (Paris, 1645) eine Übertragung bei Versailles Baroque Music Center. Während sich so ganz allmählich der Grauschleier über den Orgelbauten um 1620 in Frankreich lüftet, sind belastbare Zeugnisse über die Spielweise, Registrierungen, Tempi und Verzierungen der Zeit und speziell zu Titelouze‘ althergebrachter, aber sehr gut gemachter franko-flämischer Satzkunst offenbar nicht greifbar, eher sind es noch vage Beschreibungen der Capellformationen, die damals den Zentralkirchen zur Verfügung standen.

Thomas von Essen und Francois Menissier haben sich des Freundespaares aus Rouen angenommen, im Alternatimwechsel erklingen das Magnificat sexti toni und die Hymnen Exultet Coelum, Ave Maris Stella  und A solis ortus cardine, dazu die Ordinariumssätze der Missa Verba mea, so dass die Reihenfolge der klingenden Teile einer Messe zu Lebzeiten von Titelouze und Frémart zu hören ist. Die Hymnen erklingen im Wechsel mit schlichten Sätzen von Jean de Bournonville (c 1585 – 1632) und Artus Aux-Costeaux (c 1590 – 1654). Thomas von Essen ergänzt sein Vokalquartett mit einem Bläserquartett (Cornet, Posaunen und Serpent), Francois Menissier spielt die Orgel der L’Église Saint-Thomas de Cantorbery à Mon-Saint-Aignan (Normandie), rekonstruiert von Pascal Qoirin (2001, II/23, mitteltönig, 440 Hz, Winddruck nicht angegeben). Thomas von Essen hat sich entschieden, die Instrumente immer colla parte mitlaufen zu lassen, ein Alternieren im vierstimmigen Satz ist nicht hörbar. Francois Menissier spielt verzierungsfreudig rasche Tempi, nur in den Eingangssätzen wird der Cantus firmus aus dem vierstimmigen polyphonen Satz herausgelöst mit der Trompete des Pedals, die kräftig dominiert. Im Booklet äußern sich die Protagonisten nicht zu ihren Entscheidungen der Spielweisen, belegen ihre Interpretationen nicht, was nur darauf hinweist, dass die Forschung dazu eben noch nicht weit gediehen ist.

Der Seltenheitswert dieses Repertoires allein berechtigt, diese Einspielung zu empfehlen. Die Gleichzeitigkeit zu z.B. Scheidts Tabulatura nova und Steigleders Ricercar Tabulatura wirft aber doch einige Fragen auf. Nun, hoffentlich folgen noch etliche Einspielungen in unterschiedlichen Interpretationen, um in eine bessere Diskussion um diese Musik eintreten zu können.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2016 / April 2017


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